Blitzlicht März 2019

Es gab Zeiten, da klebten auf einigen Autos die Aufkleber mit der Frage: „Hast du heute schon dein Kind gelobt?“ Das war nahezu revolutionär, ging man doch eher davon aus, dass Kinder zu funktionieren hatten und Lob äußerst selten – oder gar nicht – ausgesprochen wurde. In diesem Sinne war es sicher gut, Kinder zu loben, ihnen etwas Positives zu sagen, wenn sie ein wünschenswertes Verhalten zeigten.

Heute sind wir oft nicht mehr sparsam mit dem Lob.

„Du hast das toll gemalt“ sagen wir schnell, wenn wir ein Bild vorgehalten bekommen, obwohl es vielleicht im Schnellverfahren erstellt wurde und mein Kind schon ganz anders malen kann.

„Du bist heute viel selber gelaufen“, sagen wir, um das Kind zu motivieren, dass es das die nächsten Male auch tut.

„Du hast das Puzzle ganz alleine geschafft“, obwohl das Kind diese Leistung schon mehrfach gebracht hat.

Kinder spüren oft sehr genau, ob ein Lob ihnen zusteht oder ob es echt ist. Will der Erwachsene, dass ich mit dem Lob eine bestimmte Verhaltensweise wiederhole oder lobt er mich, damit ich wieder gehe und weiter male, ohne dass er sich Zeit nimmt für mein Bild?

„Kinder haben kein Bedürfnis, Lob zu bekommen. Sie haben das Bedürfnis, gesehen und anerkannt zu werden“, sagt Jesper Juul, der dänische Familientherapeut.

Wenn ich diese Aussage ernst nehme, könnte ich sagen:

„Ich überlege gerade, was du wohl malen wolltest. Kannst du mir etwas dazu sagen?“

„Ich bin richtig froh, dass du heute soviel alleine gelaufen bist. Jetzt bin ich gar nicht so schlapp, weil ich dich nicht tragen musste.“

„Du hast dieses Puzzle mit 36 Teilen schon oft alleine geschafft, obwohl es ganz schön schwer ist. Möchtest du vielleicht mal eines mit 40 Teilen versuchen?“

Wenn ich so mit meinem Kind rede, fühlt es sich ernst genommen, gesehen und anerkannt.

Blitzlicht Dezember 2018

Ich gehe davon aus, dass wir Eltern unsere Kinder lieben. Wir äußern das auch oft so: „Ich hab dich lieb“. Aber es gibt auch Tage, da läuft nicht alles so, wie es sollte, es gibt viel Tränen, wenig Übereinstimmung des Kindes mit dem Willen der Eltern und damit ist oft auch noch Stress verbunden.

Und deshalb ist es wichtig, sich spätestens am Ende des Tages folgende Frage zu stellen:

Woran hat mein Kind heute gemerkt, dass ich es liebe?

Und wir lassen den Tag noch mal an uns vorbei ziehen: Wo hat sich meine Liebe geäußert in Gesten, einem zärtlichen Blick, einem Kosewort oder einer liebevollen Umarmung? Denn sie übermitteln das, was Kinder so dringend brauchen: Zuneigung, Sicherheit und Annahme, „Ich mag dich so, wie du bist“.